5.3) Der deutsche Sonderweg – Vernunft und Gottesstolz gegen das Priestertum und den Aberglauben

Darwin, Randolph Charles –  Die Entwicklung Des Priestertums Und Der Priesterreiche; Theodor Weicher Verlag, 1929,

https://archive.org/details/DarwinRandolphCharlesDieEntwicklungDesPriestertumsUndDerPriesterreicheTheodorWeicherVerlag1929

zum wichtigen Gottesstolz: www.ludendorff.info/Abhandlungen/Wirken_Kopp.pdf

Mutterliebe und Gottesstolz nennt Mathilde Ludendorff jene Strahlen des Göttlichen,
die ohne Geltungsschwankungen auf den Menschen eindringen und die
schon im Tierreich zu beobachten sind:
»Mutterliebe und Gottesstolz, so werden wir die Gottenthüllungen nennen, wenn
sie in der Menschenseele zu hellstem Strahlen erwacht sind und mit ihrem Licht die
tastende Seele zur göttlichen Vollkommenheit hinaufführen wollen. Zwar sorgt auch
der Löwe für das Wohl seiner Brut, doch heller leuchtet in der Tiermutter der
opfernde Wille. Wohl schreitet auch die Löwin mit Würde, als ahnte sie, daß sich in
ihr der Gott des Weltalls wie in aller Erscheinung offenbart, doch durchdringt dies
Ahnen sie nicht mit der königlichen Sicherheit, die aus dem Schritte und Zorne des
Löwen spricht.« (»Schöpfungsgeschichte«, S. 138)

Im Werk »Des Menschen Seele« sind weite Ausführungen (ab S. 240) über
diesen wahren Stolz gemacht. Hier steht auch der Satz: »Der reine Gottesstolz ist
am besten gekennzeichnet durch die Worte: Erhabene Würde und ernste Verantwortung.« (S. 242)

und zur Vernunft:

Aus Arthur Schopenhauer: Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde (ISBN 978 3 257 20425 4)

aus http://www.textlog.de/23016.html

…An jenen hergebrachten, zu weiten, schiefen, falschen Fassungen des Kausalitätsverhältnisses mag nun zwar größtentheils Unklarheit des Denkens Schuld seyn: aber zuverlässig steckt mitunter auch Absicht dahinter, nämlich theologische, schon von ferne mit dem kosmologischen Beweise liebäugelnde, welche bereit ist, diesem zu gefallen, selbst transscendentale Wahrheiten a priori (diese Muttermilch des menschlichen Verstandes) zu verfälschen. Am deutlichsten hat man Dies vor Augen im Buche des Thomas Brown „On the relation of cause and effect“ welches, 460 Seiten zählend, schon 1835 seine vierte Auflage, und seitdem wohl mehrere, erlebt hat und, abgesehn von seiner ermüdenden, kathederrnäßigen Weitschweifigkeit, seinen Gegenstand nicht übel behandelt. Dieser Engländer nun hat ganz richtig erkannt, daß es allemal V e r ä n d e r u n g e n sind, welche das Gesetz der Kausalität betrifft, daß also jede Wirkung eine V e r ä n d e r u n g sei, woraus folgt, daß die ganze Sache bloß der ununterbrochene Nexus der in der Zeit sich succedirenden V e r ä n d e r u n g e n sei, .— damit will er nicht heraus, obwohl es ihm unmöglich entgangen seyn kann; sondern er nennt jedesmal, höchst ungeschickt, die Ursache ein der Veränderung v o r h e r g e h e n d e s Ob je k t, oder auch Substanz, und mit diesem ganz falschen Ausdruck, der ihm seine Auseinandersetzungen überall verdirbt, dreht und quält er sich, sein ganzes, langes Buch hindurch, erbärmlich herum, gegen sein besseres Wissen und G e w i s s e n ; einzig und allein, damit seine Darstellung dem etwan anderweitig und von Andern dereinst aufzustellenden kosmologischen Beweise nur ja nicht im Wege stehe. — Wie muß es doch mit einer Wahrheit bestellt seyn, der man durch solche Schliche schon von ferne den Weg zu bahnen hat.

Aber was haben denn unsere guten, redlichen, Geist und Wahrheit höher als Alles schätzenden deutschen Philosophieprofessoren ihrerseits für den so theuern kosmologischen Beweis gethan, nachdem nämlich K a n t ‚ in der Vernunftkritik, ihm die tödtliche Wunde beigebracht hatte? Da war freilich guter Rath theuer denn (sie wissen es, die Würdigen, wenn sie es auch nicht sagen) Causa prima [die erste Welt-Ursache] ist, eben so (Seite 52)

gut wie causa sui [Ursache ihrer selbst], eine contradictio in adjecto [Widerspruch in sich oder unmittelbarer Widerspruch]; obschon der erstere Ausdruck viel häufiger gebraucht wird, als der letztere, und auch mit ganz ernsthafter, sogar feierlicher Miene ausgesprochen zu werden pflegt, ja Manche, insonderheit Englische Reverends [geistliche Herren], recht erbaulich die Augen verdrehn, wenn sie, mit Emphase und Rührung, the first cause [die erste Ursache], — diese contradictio in adjecto, – aussprechen. Sie wissen es: eine erste Ursache ist gerade und genau so undenkbar, wie die Stelle, wo der Raum ein Ende hat, oder der Augenblick, da die Zeit einen Anfang nahm. Denn jede Ursache ist eine V e r ä n d e r u n g, bei der man nach der ihr vorhergegangenen Veränderung, durch die sie herbeigeführt worden, nothwendig fragen muß, und so in infinitum, in infinitum! Nicht ein Mal ein erster Zustand der Materie ist denkbar, aus dem, da er nicht noch immer ist, alle folgenden hervorgegangen wären. Denn, wäre er an sich ihre Ursache gewesen; so hätten auch sie schon von jeher seyn müssen, also der Jetzige nicht erst jetzt. Fieng er aber erst zu einer gewissen Zeit an, kausal zu werden; so muß ihn, zu der Zeit, etwas v e r ä n d e r t haben, damit er aufhörte zu ruhen: dann aber ist etwas hinzugetreten, eine Veränderung vorgegangen, nach deren Ursache, d. h. einer i h r vorhergegangenen Veränderung, wir sogleich fragen müssen, und wir sind wieder auf der Leiter der Ursachen und werden höher und höher hinaufgepeitscht von dem unerbittlichen Gesetze der Kausalität, — in infinitum, in infinitum. (Die Herren werden sich doch nicht etwan entblöden, mir von einem Entstehn der Materie selbst aus nichts zu reden? weiter unten stehn Korollarien, ihnen aufzuwarten.) Das Gesetz der Kausalität ist also nicht so gefällig, sich brauchen zu lassen, wie ein Fiaker, den man, angekommen wo man hingewollt, nach Hause schickt. Vielmehr gleicht es dem, von Goethes Zauberlehrlinge belebten Besen, der, ein Mal in Aktivität gesetzt, gar nicht wieder aufhört zu laufen und zu schöpfen; so daß nur der alte Hexenmeister selbst ihn zur Ruhe zu bringen vermag. Aber die Herren sind sammt und sonders keine Hexenmeister. Was haben sie also gethan, die edlen und aufrichtigen freunde der Wahrheit, sie, die allezeit nur auf das Verdienst in ihrem Fache warten, um, sobald es sich zeigt, es der Welt zu verkünden, und die, wenn Einer kommt, der wirklich ist, was sie denn doch nur vorstellen weit entfernt durch tückisches Schweigen (Seite 53)

und feiges Sekretiren seine Werke ersticken zu wollen, vielmehr als bald die Herolde seines Verdienstes seyn werden, – gewiß, so gewiß ja bekanntlich der Unverstand den Verstand über Alles liebt. Was also haben sie gethan für ihren alten Freund, den hart bedrängten, ja, schon auf dem Rücken liegenden kosmologischen Beweis? O, sie haben einen feinen Pfiff erdacht: „Freund“, haben sie zu ihm gesagt, „es steht schlecht mit dir, recht schlecht, seit deiner fatalen Rencontre mit dem alten Königsberger Starrkopf; so schlecht, — wie mit deinen Brüdern, dem ontologischen und dem physikotheologischen. Aber getrost, wir verlassen dich darum nicht (du weißt, wir sind dafür bezahlt): jedoch, — es ist nicht anders, du mußt Namen und Kleidung wechseln: denn nennen wir dich bei deinem Namen, so läuft uns Alles davon. Inkognito aber fassen wir dich untern Arm und bringen dich wieder unter Leute; nur, wie gesagt. inkognito: es geht! Zunächst also: dein Gegenstand führt von jetzt an den Namen „das Absolutum“: das klingt fremd, anständig und vornehm, — und wie viel man mit Vornehmthun bei den Deutschen ausrichten kann, wissen wir am besten: was gemeint sei, versteht doch jeder und dünkt sich noch weise gemeint. Du selbst aber trittst verkleidet, in Gestalt eines Enthymems [Wahrscheinlichkeitsschlusses] auf. Alle deine Prosyllogismen [Vorschlüsse] und Prämissen nämlich, mit denen du uns den langen Klimax [Stufenbau] hinaufzuschleppen pflegtest, laß nur hübsch zu Hause: man weiß ja doch, daß es nichts damit ist. Aber als ein Mann von wenig Worten, stolz, dreist und vornehm auftretend, bist du mit Einem Sprunge am Ziele: „Das Absolutum“, schreist du (und wir mit), „d a s muß denn doch, zum Teufel, s e y n ; sonst wäre ja gar nichts!“ (hiebei schlägst du auf den Tisch.) Woher aber Das sei? „Dumme Frage! habe ich nicht gesagt, es wäre das Absolutum?“ — Es geht, bei unserer Treu, es geht! Die Deutschen sind gewohnt, Worte statt der Begriffe hinzunehmen: dazu werden sie, von Jugend auf, durch uns dressirt, – sieh nur die Hegelei, was ist sie Anderes, als leerer, hohler, dazu ekelhafter Wortkram? Und doch, wie glänzend war die Carriere dieser philosophischen Minusterkreatur! Dazu bedurfte es nichts weiter, als einiger feilen Gesellen, den Ruhm des Schlechten zu intoniren, und ihre Stimme fand an der leeren Höhlung von tausend Dummköpfen ein noch Jetzt nachhallen es und sich fortpßanzendes Echo: sieh, so war bald aus einem (Seite 54)

gemeinen Kopf, ja einem gemeinen Scharlatan, ein großer Philosoph gemacht. Also Muth gefaßt! Ueberdies, Freund und Gönner, sekundiren [unterstützen] wir dich noch anderweitig; können wir doch ohne dich nicht leben! — Hat der alte Königsberger Krittler die Vernunft kritisirt und ihr den Flügel beschnitten;

gut! so erfinden wir eine n e u e Vernunft, von der bis dahin noch kein Mensch etwas gehört hatte, eine Vernunft, welche nicht denkt, sondern unmittelbar a n s c h a u t ‚ Ideen (ein vornehmes Wort, zum Mystificiren geschaffen) anschaut, leibhaftig; oder auch sie v e r n i m m t ‚ unmittelbar vernimmt was du und die Andern erst beweisen wollten; oder, — bei Denen nämlich, welche nur wenig zugestehn, aber auch mit wenig vorlieb nehmen, — es a h n d e t. Früh eingeimpfte Volksbegriffe geben wir so für unmittelbare Eingebungen dieser unserer neuen Vernunft, d. h. eigentlich für Eingebungen von oben, aus. Die alte, auskritisirte Vernunft aber, die degradiren wir, nennen sie V e r s t a n d und schicken sie promeniren. Und den wahren, eigentlichen Verstand? — was, in aller Welt, geht uns der wahre, eigentliche Verstand an? – Du lächelst ungläubig: aber wir kennen unser Publikum und die harum, horum [Burschen: vgl. Goethes Gedicht ‘Zeichen der Zeit‘), die wir da auf den Bänken vor uns haben. Hat doch schon Bako von Verulam gesagt: „Auf Universitäten lernen die jungen Leute glauben.“ Da können sie von uns etwas Rechtschaffenes lernen! wir haben einen guten Vorrath von Glaubensartikeln. — Will dich Verzagtheit anwandeln, so denke nur immer daran, daß wir in Deutschland sind, wo man gekonnt hat was nirgend anderswo möglich gewesen wäre, nämlich einen geistlosen, unwissenden, Unsinn schmierenden. die Köpfe, durch beispiellos hohlen Wortkram, von Grund aus und auf immer desorganisirenden Philosophaster, ich meine unserrn theuern Hegel, als einen großen Geist und tiefen Denker ausschreien: und nicht nur ungestraft und unverhöhnt hat man das gekonnt; sondern wahrhaftig, sie glauben es, glauben es seit 3o Jahren, bis auf den heutigen Tag! — Haben wir also, trotz Kant und Kritik, mit deiner Beihülfe, nur erst das Absolutum: so sind wir geborgen. – Dann philosophiren wir von oben herab, lassen aus demselben, mittelst der verschiedenartigsten und nur durch ihre marternde Langeweiligkeit einander ähnlichen Deduktionen. die Welt hervorgehn, nennen diese auch wohl das Endliche, jenes das Unendliche, — was wieder eine angenehme Variaion im (Seite 55)

Wortkram giebt, – und reden überhaupt immer nur von Gott, expliciren, wie, warum, wozu, weshalb, durch welchen willkürlichen oder unwillkürlichen Prozeceß, der die Welt gemacht, oder geboren habe; ob er draußen, ob er drinne sei u.s.f.; als wäre die Philosophie Theologie und suchte nicht Aufklärung über die Welt, sondern über Gott.“ (Seite 56)

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http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Bacon

Zweitens zeigt sich Bacon davon überzeugt, dass menschliches Wissen kumulativ ist. Damit hat er sich von der Ansicht mancher Scholastiker befreit, von denen einige meinten, alles Wesentliche, was der Mensch wissen könne, sei bereits in der Heiligen Schrift sowie den Werken des Aristoteles enthalten. Zahlreiche Gebiete, die noch wissenschaftlich erforscht werden könnten, benennt er bereits in De augmentis … (unter anderem nennt er Literaturgeschichte, Geschichte der Krankheiten, Handelswissenschaften). Die Vervollkommnung unseres Wissens zu immer höheren Graden ist ein zentrales, bis heute aktuelles Ziel, das Bacon der wissenschaftlichen Forschung vorgibt; wenn er dieses Thema behandelt, erreicht seine Rhetorik eine nahezu poetische Höhenlage.

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Das Wesen der „Geschichte“ unterscheidet sich von jenem der „Kultur“ und der „Zivilisation“. Sie ist ja nicht anderes als der Ausdruck des Selbsterhaltungswillens eines Volkes nach innen und nach außen. Ja, selbst wenn dieses Gebiet des Lebens der Völker gar sehr mißverstanden, gar sehr mißbraucht wird, wie wir das im letzten Abschnitt schon hervorheben mußten, so bleibt es doch immer ein Wirkungsfeld des Willens. Auch die Gewaltgier, auch die Selbstpreisgabe sind Willensausdruck, mögen sie den Sinn der Geschichte, die Selbsterhaltung des Volkes, auch noch so sehr aus dem Auge verlieren. Das freilich ist sicher, daß auch das Bewußtsein mit seinen Fähigkeiten, vor allem die Vernunft, einen gewaltigen Anteil an den Willensentschlüssen hat, die die Geschichte gestalten. Ebenso findet natürlich auch das Gotterleben seinen Niederschlagin Willensentschlüssen, die zu Geschichtsgestaltung führen. Aber der Wille überwiegt immer.
Aus dieser Feststellung, daß „Kultur“ Gottererleben, „Zivilisation“ Vernunftarbeit und „Geschichte“ Wille dem Wesen nach sind, erklären sich uns nun ohne weiteres sehr wichtige Tatsachen.“ (aus Mathilde Ludendorff – Die Volksseele und ihre Machtgestalter, S. 200, http://www.lehmanns.de/shop/geisteswissenschaften/5003381-9783882021530-der-seele-wirken-und-gestalten-die-volksseele-und-ihre-machtgestalter)

Adolf Hitler die „Vorsehung“ bewusst verwendet um die Christen zum Handeln zu bewegen. Eigentlich gibt es sie nicht, sie würde auch zum Untätigsein verleiten und wurde vermutlich gerade deshalb von Rom erfunden. Eine Lüge für die richtige Sache, kann einen Irrtum aufheben. Geschichte war und ist das Ergebnis des inneren Wollens!

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